Die Jury des Zürcher Journalistenpreises hat den Preis für das Gesamtwerk an den Karikaturisten Felix Schaad vergeben. Zudem wurden vier ausserordentliche Leistungen gewürdigt: Prämiert wurden Karin Wenger («Annabelle»), das Recherche-Team Sascha Britsko, Oliver Zihlmann und Boris Gygax («Das Magazin») sowie Sandro Büchler, Jochen Tempelmann und Davide De Martis («St. Galler Tagblatt»), den Newcomer-Preis erhielt Konstantin Kreibich («Zentralplus»).

Am Dienstagabend ist der Zürcher Journalistenpreis zum 46. Mal verliehen worden. Im Kaufleuten-Klubsaal thematisierte der Ethikprofessor Peter G. Kirchschläger in seiner Gastrede «KI – Ende oder Neuanfang menschlicher Arbeit? Eine ethische Betrachtung» die tiefgreifenden Veränderungen durch künstliche Intelligenz. Er argumentierte, dass die Logik früherer Epochen bei der KI nicht mehr gelte, da diese gezielt eingesetzt werde, um Menschen in beruflichen Aufgaben zu ersetzen. Zudem seien alle beruflichen Aufgaben – auch der Journalismus – und nicht wie früher nur Jobs mit weniger oder keiner Qualifikation betroffen. Kirchschläger schlug vor, angesichts der schwindenden Erwerbsarbeit die Existenzsicherung von der klassischen Erwerbsarbeit zu entkoppeln, um zu einem breiteren Verständnis von gesellschaftlicher Leistung zu gelangen.
Felix Schaad erhält den Zürcher Journalistenpreis für sein Wirken als einer der prägendsten und unverwechselbarsten Chronisten der Schweiz. Über mehr als ein Vierteljahrhundert, von 1999 bis zu seiner Pensionierung 2026, prägte er als Hauskarikaturist des «Tages-Anzeigers» das visuelle Profil der Zeitung. Mit scharfem Blick und markantem Strich hielt er die Schweizer Polit-Prominenz fest und erlangte durch seine pointierten Karikaturen sowie den mit Claude Jaermann entwickelten Comic-Strip «Eva» grosse Bekanntheit.

Für den Zürcher Journalistenpreis wurden in diesem Jahr 201 Arbeiten aus der ganzen Deutschschweiz eingereicht. Die siebenköpfige Fachjury nominierte neun Arbeiten für den Zürcher Journalistenpreis und drei für den Newcomer-Preis, die durch investigative Tiefe, sprachliche Brillanz und gesellschaftliche Relevanz bestechen. Folgende Personen sind jetzt ausgezeichnet worden:
In ihrer Reportage («Weg vom Schuss») über den panamaischen Küstenort Playa Venao beleuchtet Karin Wenger («Annabelle») das Leben israelischer Soldatinnen und Soldaten, die dort versuchen, die Traumata des Gaza-Kriegs zu verarbeiten. Die Jury würdigte den Text als wichtiges Zeitdokument, das Reportage, politische Analyse und Essay meisterhaft verbindet, ohne dabei zu urteilen.

Sascha Britsko, Oliver Zihlmann und Boris Gygax («Das Magazin») gelang es, mit ihrer dreijährigen Recherche «Travis the Creator» die Anatomie eines systematischen Missbrauchs in der Zürcher Party- und Modeszene aufzuzeigen. Die Arbeit rekonstruiert ein Machtgefälle und gibt den Opfern eine Stimme, während sie gleichzeitig die Grenzen des damaligen Sexualstrafrechts thematisiert.

Die dreiteilige Serie «Umweltskandal am Bodensee» von Sandro Büchler, Jochen Tempelmann und Davide De Martis («St. Galler Tagblatt») thematisierte die Einleitung der krebserregenden Chemikalie PFOS in den Bodensee durch ein Industrieunternehmen. Besonders hervorgehoben wurde die Hartnäckigkeit der Journalisten, die erst nach zwei gewonnenen Prozessen vor Bundesgericht das volle Ausmass der Vertuschung publik machen konnten.

Konstantin Kreibich wurde für seine Recherche über die Arbeitsbedingungen auf Schweizer Kreuzfahrtschiffen ausgezeichnet. Er belegte durch zahlreiche Quellen und Gespräche mit Betroffenen, wie Mitarbeitende unter grossem Druck dazu gebracht wurden, Inspektoren systematisch zu belügen.

Die Auszeichnungen mit dem diesjährigen Preis nahm die Jury unter der Leitung von Dirk Schütz vor. Der Zürcher Journalistenpreis zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen für Journalismus in der Schweiz. Seit 1981 werden herausragende journalistische Leistungen aus Print- und Onlinemedien prämiert. Jeder der Hauptpreise ist mit 10 000 Franken dotiert, der Newcomer-Preis mit 5000 Franken.
Die Stiftung Zürcher Journalistenpreis wird getragen von den Medienhäusern
CH Media, NZZ, Ringier und Tamedia. Weitere namhafte Unternehmen und Institutionen unterstützen die Veranstaltung finanziell.
Foto: Philippe Rossier, Ringier