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Sandro Büchler, Jochen Tempelmann und Davide de Martis

Zürcher Journalistenpreis

St. Gallen – Sandro Büchler Redaktor St. Galler Tagblatt CH-Media
Tempelmann Jochen
De Martis Davide

Sandro Büchler, Jochen Tempelmann und Davide de Martis sind Redaktoren beim St. Galler Tagblatt.

laudatio

von Dirk Schuetz

Manu ist ein Schweizer ohne Pass. Hier geboren, als Sohn spanischer Migranten, aEs sind vier Buchstaben mit dämonischer Wirkung. PFOS ist die Abkürzung für eine der gefährlichsten Chemikalien der Welt, ausgeschrieben Perfluoroctansulfon-Säure. Sie sorgt dafür, dass Teflonpfannen oder Regenjacken wasser- und fettabweisend sind. Doch: Sie ist auch krebserregend – und deshalb seit 2011 in der Schweiz verboten. Selbst Hollywood war das Gift einen Film wert: «Dark Waters» kam 2019 in die Kinos, mit Tim Robbins und Anne Hathaway prominent besetzt. Er zeigte auf, wie der Chemieriese Dupont tonnenweise PFOS in den Fluss Ohio kippte und viele Einwohner an Krebs erkrankten. Der Schadensersatz lag bei 671 Millionen Dollar. 

In der Schweiz gibt es keine Verfilmung, und auch keine Anwälte, die für die Betroffenen dreistellige Millionensummen erklagen. Doch den Umweltskandal, den gibt es – und seine Aufdeckung ist das Verdienst des «St. Galler Tagblatts» und seines Journalisten Sandro Büchler, unterstützt von den Kollegen Jochen Tempelmann und Davide de Martis, die den Stoff zu einer Serie ausbauten. Der Artikel, den wir hier heute prämieren, vereint alle Tugenden des Lokaljournalismus: Aufklärungsdrang, Hartnäckigkeit, Darstellungsfähigkeit. 

Vor vier Jahren berichtete das Tagblatt erstmals über den Vorfall: Die Verpackungsfirma Amcor hatte 2020 und 2021 aus seinem Werk in Goldach riesige Mengen Löschschaum in den Bodensee geleitet – und dieser Löschschaum enthielt zehn Kilogramm PFOS.  

Doch das ganze Ausmass konnte Büchler erst am 12.April 2025 an die Öffentlichkeit bringen: Weil Amcor die Herausgabe der Straftakten verweigerte, musste das Tagblatt zwei Mal vor das Bundesgericht ziehen – und gewann. Und so kann der Autor die klassische Reaktion des Abstreitens und Verwedelns minutiös nachzeichnen: Wie der Löschschaum durch undichte Ventile in den Bodensee gelangte und die Amcor-Mitarbeiter den Vorfall verschwiegen, wie zwei Wochen später nochmals Löschschaum ausfloss, was zufällig durch einen Fischereiaufseher bemerkt wurde, der die Polizei benachrichtigte. 

Doch fast genauso skandalös wie das Vertuschen des Konzerns ist die Reaktion der Behörden. Nach einer halbherzigen Untersuchung folgte eine läppische Busse: 5000 Franken, dazu noch Schadensersatz von 28 260 Franken. 

Es bleibt eine Tragödie, dass ein derartiger Fall in der reichen und angeblich so umweltbewussten Schweiz möglich ist. Und es bleibt ein Glücksfall, dass Zeitungen wie das St. Galler Tagblatt diese Missstände aufdecken. Liebe Sandro Büchler, lieber Jochen Tempelmann, lieber Davide de Martis:  Sie haben diesen Preis wahrlich verdient. 


St. Galler Tagblatt

umweltskandal am bodensee

Beim australischen Verpackungskonzern Amcor in Goldach am Bodensee kommt es zu zwei Chemieunfällen. Wegen zahlreicher Ungereimtheiten forderte das St. Galler Tagblatt Einsicht in die Untersuchungsakten. Nach drei Jahren und zwei Verfahren bis vor Bundesgericht liegen die Akten nun vor – und offenbaren neue, brisante Details.

Erschienen am 12. April 2025
Von Sandro Büchler (Teil 1), Jochen Tempelmann (Teil 2), Davide de Martis (Teil 3)