Felix Schaad
Preis für das Gesamtwerk
Felix Schaad ist durch seine Arbeit als Karikaturist zu einem der prägendsten und unverwechselbarsten Chronisten der Schweiz geworden. Aufgewachsen in Eglisau, besuchte er den Vorkurs und studierte anschliessend Grafik an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich. Nach dem Studium arbeitete er zunächst als Art Director in einer Werbeagentur.
Ab 1999 und bis zu seiner Pensionierung 2026 war Felix Schaad Hauskarikaturist des Tages-Anzeigers und wurde mit seinen pointierten Karikaturen einem breiten Publikum bekannt. Über mehr als ein Vierteljahrhundert prägte er damit das visuelle Profil der Zeitung. Ob Micheline Calmy-Reys Frisur, Christoph Blochers Unterlippe oder Alain Bersets Augenbrauen – Schaad hielt die Schweizer Polit-Prominenz mit scharfem Blick, markantem Strich und hohem Wiedererkennungswert fest.
Seit 1991 arbeitete Schaad zudem mit Claude Jaermann zusammen. Der gemeinsam entwickelte Comic-Strip «Eva» erschien von 2001 bis 2017 täglich im Tages-Anzeiger.
laudatio
von viktor giacobbo
Beim Namen Felix Schaad werde ich sofort neidisch. Nicht wegen der Fähigkeit zur schnellen Idee für einen aktuellen satirischen Witz – da quälen wir uns beide wahrscheinlich ziemlich ähnlich – Felix sagte in einem Interview zu seiner Kreativmethode: «Man hängt im Stuhl, man trinkt Kaffee, man lümmelt ein bisschen herum. Ich mache erst mal nichts.»
Nein, nicht wegen der mühsamen Kopfarbeit bin ich neidisch, sondern wegen der Ausführung. Während zum Beispiel Schaad für die berühmteste Unterlippe der Schweizer Politik nur zwei, drei Striche benötigt, braucht unser Parodiegenre in der Regel Text, Kostüm, Perücke, Schminke, Kamerateam und Schnittplatz. Und meistens treffen die wenigen Striche des Karikaturisten für Blocher erst noch präziser, schneller und häufig auch nachhaltiger als die schauspielerische Parodie.
Felix Schaad wohnt bekanntlich in der Satirehochburg Winterthur und gehört dort zur Karikaturistenviererbande Schaad/Widmer/Gut/Jaermann. Wie seine Kollegen liefert er mit Leichtigkeit Komik aus alltäglichen Aktualitäten und ist wie jeder Satiriker mit Leuten konfrontiert, die weniger die Satire checken als die Grenzen der Satire. Diese humorfreien Grenzwächter wissen nicht, dass sie damit den Satiriker eigentlich ehren.
Die heutige Ehrung von Felix Schaad macht mich übrigens ebenfalls neidisch, denn Karikaturisten werden von Kolleginnen und Kollegen geehrt, mit Werkausstellungen und tollen Bildbänden gefeiert, während wir von der darstellenden Berufssparte regelmässig einer Schwemme von Prix-Walo-Pokalen von Rolf Knie ausgesetzt sind.
Der Jungspund Schaad hat sich jetzt für seine Fans viel zu früh pensionieren lassen und sich vom Tagesanzeiger verabschiedet. Als Abonnent dieser Zeitung ist man sich ja einiges an Abbau gewohnt, der dann «innovative Cost-cutting-Disruption» genannt wird.
Aber glücklicherweise wird die Karikatur im Tagi weitergepflegt und nicht etwa wie die Bildredaktion durch eine Symbolbilddatei ersetzt, die bei jeder Berichterstattung über Verbrechen ein günstig eingekauftes Polizeiautosymbolfoto liefert.
Kurz habe ich befürchtet, es würden jetzt auch Symbolkarikaturen eingeführt, billig hergestellt in asiatischen Kinderkarikaturisten-Sweatshops.
Es hat mich sehr beruhigt zu sehen, dass die berühmte Tagi-Karikatur weiterhin einen Platz hat. Nur, liebe Tagiredaktion, bitte diese nicht mit einem Titel versehen, der die Pointe bereits verrät und bitte keinen fragenden Kolumnentitel: «Lust zum Schmunzeln?» Denn der grauenhafte Begriff Schmunzeln ist das Killerwort der scharfen Pointe – das ist eine mehrfach juristisch abgesicherte, entschärfende Warnung vor einem befreiend dreckigen Lachen.
So wie ich Felix einschätze, wird er nicht einfach nichts tun, weil er ja mehrmals gesagt hat, dass bei ihm Kaffee trinken und ein bisschen herumlümmeln Arbeit ist.
Vielen Dank und Gratulation an Felix.
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