Zürcher Journalistenpreis 2010 Wertschätzung für herausragendes journalistisches Handwerk von fünf Preisträgern
Balz Bruppacher (Preis für das Gesamtwerk), Viktor Dammann (Kategorie Zeitung), Mathias
Ninck (Kategorie Zeitschrift) sowie Christian Kündig und Lukas Messmer
(Kategorie Nachwuchs) erhalten den Zürcher Journalistenpreis 2010. Ihre
Arbeiten zeugen von einem hohen Niveau des Medienschaffens in der
gedruckten Presse.
An
der Feier zur 30. Preisverleihung im Zürcher Bernhard-Theater, die am
27. Mai 2010 mit zahlreichen Gästen aus Wirtschaft, Medien und Politik
stattfand, würdigte die Jury die ausgezeichneten Arbeiten. Der Zürcher
Journalistenpreis honoriert Medienschaffende, die ihre unter immer
anspruchsvolleren Bedingungen zu leistende Aufgabe inhaltlich wie
stilistisch auf hohem Niveau meistern und journalistische Werke
schaffen, die über den Tag hinaus in Erinnerung bleiben. Vor der Würdigung
der drei Arbeiten und des Gesamtwerks durch die Jury sprach Heribert
Prantl, Chefkolumnist der «Süddeutschen Zeitung», über die «Pressefreiheit als tägliches Brot der Demokratie».
In einem humoristischen Kontrapunkt brachte zum Abschluss der Aargauer
Autor und Poet Simon Libsig «erfundene, aber wahre Stories» zum Besten. Aus insgesamt 121 Einsendungen zeichnete die Jury in diesem Jahr folgende Arbeiten aus: Mathias Ninck Christian Kündig und Lukas Messmer Balz Bruppacher,
der vor 30 Jahren den Schweizer Dienst der Nachrichtenagentur AP mit
aufgebaut und 26 Jahre lang als Chefredaktor geführt hat, erhält den
diesjährigen Preis für das Gesamtwerk. Mit seinen Berichten – vor allem
mit den Analysen im wirtschaftlichen Bereich – habe Bruppacher
«Geschichte geschrieben», würdigte Andrea Masüger den langjährigen
Agenturjournalisten. «Seine Texte sind Legende». Die Auszeichnung sei
zudem «ein Denkmal für alle, die im Schatten stehen, und die im Stillen
grossartigen Journalismus leisten». Für
seine Enthüllung des Skandals im grössten Zürcher Pflegezentrum
Entlisberg, in dem das Pflegepersonal Patientinnen demütigte, erhält der
Gerichts- und Kriminalreporter des «Blick», Viktor Dammann, den
Preis in der Kategorie Zeitung. Die Umsetzung der Geschichte, an der er
wochenlang dran war, verrate einen «Boulevard-Profi, der sich der Sache
und den Opfern verpflichtet fühlt», sagte Susanne Mühlemann in ihrer
Laudatio. Dominiert hätten «die Fakten und die Sachlichkeit, nicht die
helle Empörung». Mathias Ninck erhält den Preis in der Kategorie Zeitschrift für seinen Bericht zu Dr.
E. Roduner, dem ehemaligen eidgenössischen Untersuchungsrichter. Der
«Magazin»-Redaktor habe die Geschichte eines Mannes erzählt, der «dem
Bild vom unabhängigen, unbefangenen und objektiven Richter» einfach
nicht entsprechen wollte, sagte Jury-Präsident Fredy Gsteiger in der
Begründung. Nincks Verdienst sei es, «hineingeleuchtet zu haben in den
Schweizer Justizapparat, der gerne diskret operiert und sich ungern in
die Karten blicken lässt». «Pure Leselust»
führte Margrit Sprecher als ebenso einfache wie seltene Begründung für
die Auszeichnung mit dem Nachwuchspreis an, der an Lukas Messmer und Christian Kündig geht. Für die in der «Zürcher Studierendenzeitung» erschienene
Reportage seien «Reporter der guten, alten Schule» am Werk gewesen, die
«mit der Frische ihres Blicks und ihrer Sprache und der Freude am
Erleben» volle 24 Stunden in einer verrauchten und verruchten Bar
zubrachten. Ein trockener, gleichwohl mitreissender Bericht von zwei
begabten Jung-Autoren. Biographien, Texte und die Laudationes finden sich in der Broschüre «Zürcher Journalistenpreis 10» (PDF, 1,8 MB).
Preis für das Gesamtwerk
10'000 Franken
Balz Bruppacher
30 Jahre Associated Press Schweiz
Kategorie Zeitung
10'000 Franken
Viktor Dammann
Skandal im Zürcher Pflegeheim Entlisberg
Blick, im Februar und Juni 2009
Kategorie Zeitschrift
10'000 Franken
Bericht zu Dr. E. Roduner
Das Magazin, 27. Juni 2009
Kategorie Nachwuchs
10'000 Franken
Die Endstation
Zürcher Studierendenzeitung, 27. November 2009